Erdwespen loswerden: Rechtslage, Methoden, Fehler

von HausBlogRedaktion
Erdwespe

Ein Loch im Rasen, davor ein stetes Kommen und Gehen schwarz-gelber Insekten: Meist steckt ein Volk der Deutschen oder Gemeinen Wespe dahinter. Erdwespen loswerden zu wollen, ist nachvollziehbar, nur lässt das Naturschutzrecht dafür wenig Raum. Wild lebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund getötet oder gefangen werden. Dieser Beitrag klärt, was erlaubt ist, was tatsächlich wirkt und welche Fehler Stiche erst provozieren.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • Rechtlicher Rahmen: Wespen genießen allgemeinen Artenschutz nach § 39 BNatSchG, Töten oder Fangen ohne vernünftigen Grund ist verboten.
  • Typische Arten: Deutsche und Gemeine Wespe nisten im Boden, ein Volk erreicht mehrere tausend Tiere.
  • Zeitfenster Nest: Der Staat besteht nur eine Saison, ab Ende November lässt sich ein leeres Nest gefahrlos verfüllen.
  • Verhalten vor Ort: Zwei bis drei Meter Abstand halten, Erschütterungen meiden, bei Gefahr Naturschutzbehörde und Fachbetrieb einschalten.

Wie lassen sich Erdwespen im Garten rechtssicher loswerden?

Einfach ist das nicht. Der Grundsatz steht in § 39 Absatz 1 Nummer 1 des Bundesnaturschutzgesetzes: Wild lebende Tiere dürfen nicht mutwillig oder ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Anders als Hornissen und Wildbienen zählen Wespen nicht zu den besonders geschützten Arten, sondern unterliegen dem allgemeinen Artenschutz, wie die Berliner Naturschutzbehörde festhält.

Entscheidend ist deshalb der vernünftige Grund. Ein Nest am Rand des Gemüsebeets liefert keinen, ein Einflugloch direkt neben Haustür oder Spielgerät unter Umständen schon, ebenso eine bekannte Allergie gegen Wespengift. Über diese Abwägung entscheidet die zuständige Naturschutzbehörde. Wer eigenmächtig mit Gift, Rauch oder Bauschaum vorgeht, riskiert ein Bußgeld; für Hornissen- und Hummelnester nennt Berlin bis zu 50.000 Euro, bei Wespen hängt die Höhe vom Bundesland ab.

Welche Arten verbergen sich hinter dem Begriff?

Der Name ist umgangssprachlich. Gemeint sind Faltenwespen, die im Boden nisten, allen voran die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Beide zählen zu den lästigen Kurzkopfwespen, die im Spätsommer an Kuchen und Grillfleisch auftauchen. Verwechslungen mit kaum lästigen oder besonders geschützten Arten kommen vor, die Tabelle ordnet ein.

Art Typischer Neststandort Volksgröße (üblich bis etwa) Einordnung
Deutsche Wespe Erdbauten, dunkle Hohlräume 10.000 allgemeiner Schutz, im Spätsommer lästig
Gemeine Wespe Erdbauten, dunkle Hohlräume 7.000 allgemeiner Schutz, im Spätsommer lästig
Rote Wespe Erdbauten 350 allgemeiner Schutz, kaum lästig
Europäische Hornisse hohle Bäume, Schornsteine 700 besonders geschützt

Nest, Volk und Jahreslauf

Ab April oder Anfang Mai erwacht die überwinterte Königin, baut aus zerkautem Holz erste Waben und füttert die Brut mit Insekten. Danach geht es schnell. Arbeiterinnen übernehmen den Ausbau, im August erreicht das Volk sein Maximum, meist mehrere tausend Tiere, nach NABU-Angaben höchstens 12.000. Erst Nahrungsmangel und sinkende Temperaturen beenden den Staat, zwischen September und Mitte Oktober sterben alle Tiere bis auf die begatteten Jungköniginnen. Das alte Nest bleibt leer und wird nicht erneut besiedelt. Eine Jungkönigin wählt jedoch gelegentlich denselben Standort, und nur etwa jede zehnte gründet überhaupt ein neues Volk.

Erdwespen fernhalten: Was Wasser, Düfte und Barrieren leisten

Erlaubt ist das sanfte Umlenken. Ein feiner Wassernebel aus der Sprühflasche imitiert Regen und schickt störende Einzeltiere zurück ins Nest; Spülmittelzusätze schaden den Tieren und gehören nicht in die Flasche. Düfte von Zitrone, Nelken, Pfefferminze oder Lavendel schrecken Wespen nur zeitweise ab. Bei Nestern nahe belebter Plätze genügen oft Zäune und Sichtblenden im Umkreis von vier bis fünf Metern, damit niemand versehentlich in die Nähe des Einflugs gerät.

Fehler, die Stiche provozieren

Gerade gut gemeinte Hausmittel verschärfen die Lage. Wespen stechen laut NABU erst, wenn Nest oder Leben bedroht scheinen, und genau dieser Moment wird durch typische Fehlgriffe herbeigeführt.

  • Einflugloch verschließen: Die aufgebrachten Tiere suchen sich einen neuen Ausgang, bei Nestern am Gebäude kann das im Innenraum enden.
  • Gift, Rauch, Feuer oder Bauschaum: Das gilt als eigenmächtige Bekämpfung, verstößt gegen den Artenschutz und kann ein Bußgeld nach sich ziehen.
  • Wespenfallen und Elektrofallen: Der NABU hält sie für sinnlos, weil vor allem andere Insekten sterben, das Fangen ist zudem untersagt.
  • Wegpusten und Schlagen: Hektik wirkt wie ein Angriff, und Panik erhöht laut NABU die Wahrscheinlichkeit eines Stichs.
  • Erschütterungen am Nest: Spatenstiche, Rasenmäher oder Stochern im Eingang lösen Abwehr aus, Behörden empfehlen zwei bis drei Meter Abstand.
  • Barfußlaufen im Rasen: Das Einflugloch ist im Gras oft nicht zu sehen, ein Tritt in den Eingang löst Stiche aus.
  • Zu frühes Entfernen des Nestes: Auch im Oktober können noch Tiere im Bau sein, Fachstellen raten zum Warten bis Ende November.

Wann Fachleute und Behörde ins Spiel kommen

Liegt der Eingang an einem täglich genutzten Weg oder besteht eine Allergie, führt der Weg über die Naturschutzbehörde. Wird eine Umsiedlung genehmigt, übernimmt sie ein autorisierter Fachbetrieb, denn die eigenständige Umsiedlung ist nach NABU-Angaben weder erlaubt noch ratsam. Berater vor Ort vermittelt unter anderem die Datenbank auf hymenoptera.de, manche Städte unterhalten eigene Wespenbeauftragte. Bei Nestern im öffentlichen Raum ist häufig die Feuerwehr zuständig.

Vorbeugung für das nächste Jahr

Erdwespen Netz

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Ein leeres Nest wird nicht erneut bezogen, der Standort dagegen durchaus. Jungköniginnen suchen im Umkreis von bis zu zehn Kilometern nach Quartier, deshalb zählt, was im Boden und am Haus unattraktiv für Königinnen bleibt.

  • Leeres Nest frühestens nach Ende November mit Erde verfüllen und den Boden auflockern, damit im Frühjahr kein fertiger Hohlraum bereitliegt.
  • Sandbett unter Pflaster verdichten: Lockerer Sand unter Pflastersteinen dient als Nistplatz und sackt durch Nester ab.
  • Holzverschalungen pflegen und umweltfreundlich lackieren, weil Wespen Holz abraspeln und zu Nistmaterial verarbeiten.
  • Fallobst früh ernten und einsammeln, da der Zucker Arbeiterinnen anlockt.
  • Blattläuse biologisch eindämmen, denn deren süße Ausscheidungen gehören zu den Lieblingsspeisen.
  • Fliegengitter mit weniger als drei Millimetern Maschenweite an Fenstern und Türen anbringen.
  • Süßes und Fleischiges im Freien abdecken und Dosengetränke mit Strohhalm trinken.

Häufige Fragen zum Thema (FAQ)

Dürfen Wespen im Boden getötet werden?

Nur mit vernünftigem Grund, etwa bei konkreter Gefahr für Allergiker, und erst nach Prüfung durch die Behörde. Bloße Lästigkeit oder ein Nest im ungenutzten Gartenteil reicht nicht aus. Verstöße können je nach Bundesland mit einem Bußgeld geahndet werden.

Wer entfernt ein Nest im Erdreich?

Nach erteilter Genehmigung übernimmt ein autorisierter Fachbetrieb oder Umsiedler die Arbeit, auf öffentlichen Flächen häufig die Feuerwehr. Ohne behördliche Genehmigung bleibt das Nest, wo es ist.

Ab wann ist ein Nest leer?

Zwischen September und Mitte Oktober sterben alle Tiere bis auf die Jungköniginnen, die in Ritzen oder Erdlöchern überwintern. Zur Sicherheit empfehlen Kommunen, bis Ende November zu warten. Das Nest wird danach nicht wieder besiedelt.

Was hilft bei einem Wespenstich?

Stiche sind unter normalen Umständen keine ernste Gefahr, Kühlen mit Eis oder eine Insektencreme genügt meist. Bei Atemnot, Schwindel oder Schweißausbruch sowie bei Stichen im Mund- und Rachenraum ist sofort ärztliche Hilfe nötig, im Notfall der Notruf 112.

Fazit

Wer Erdwespen loswerden will, kommt am Naturschutzrecht nicht vorbei. Erlaubt sind Abstand, Barrieren und sanftes Umlenken, bei echter Gefahr eine genehmigte Umsiedlung durch Fachleute. Da der Staat nach einer Saison erlischt, ist Geduld bis zum Spätherbst oft die wirksamste Lösung. Danach erschwert ein verfülltes Nestloch den nächsten Einzug.


Quellen und offizielle Nachweise

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