Der Winter verabschiedet sich selten leise. Er hinterlässt Spuren, die man auf den ersten Blick oft gar nicht wahrnimmt. Wechselfrost, schwere Schneelasten und heftige Böen haben in den vergangenen Monaten an der Substanz deines Hauses gezehrt.
Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen den Boden erreichen, juckt es viele Hausbesitzer in den Fingern, den Garten auf Vordermann zu bringen. Doch der Blick sollte zuerst nach oben gehen. Das Dach ist der wichtigste Schutzschild deiner Immobilie – und gleichzeitig das Bauteil, das am meisten unter den Launen der Witterung leidet. Ein Frühjahrs-Check dient dem Werterhalt und schützt vor bösen Überraschungen beim nächsten Sommergewitter.
Dabei geht es nicht nur darum, ein paar Blätter aus der Rinne zu fischen. Kleine Risse im Ziegel oder eine verrutschte Dichtung können über Monate hinweg Wasser ins Mauerwerk lassen, ohne dass du es im Wohnraum bemerkst. Wenn der Fleck an der Decke sichtbar wird, ist der Schaden in der Dämmung meist schon immens. Wer jetzt im Frühjahr Zeit investiert, spart langfristig Geld und Nerven. Wir zeigen dir, worauf du achten musst und wo die Grenzen der Eigenleistung liegen.
Sicherheit geht vor – Fach-Check nach dem Winter
Bevor du die Leiter aus der Garage holst, gilt ein wichtiger Grundsatz: Leichtsinn wird auf dem Dach sofort bestraft. Rutschiges Moos, morsche Latten oder unerwartete Windböen sind Gefahren, die selbst versierte Heimwerker unterschätzen. Eine Begehung des Daches sollte deshalb nur erfolgen, wenn du absolut trittsicher bist und über die nötige Sicherungsausrüstung verfügst. Für eine gründliche Analyse der Bausubstanz – gerade nach einem harten Winter – ist der geschulte Blick eines Profis oft die klügere Wahl.
Handwerker sehen Details, die dem Laien entgehen, etwa Haarrisse in den Anschlussblechen oder lockere Firstklammern. Besonders in Regionen mit speziellen topografischen Witterungseinflüssen lohnt sich der Griff zum Hörer. Werden beispielsweise erfahrene Dachdecker in Tübingen hinzugezogen, bringen diese nicht nur das Werkzeug mit, sondern auch das Wissen um die lokalen Windlasten und Wetterphänomene, die in der dortigen Hügellandschaft oft stärker auf die Giebel wirken als im Flachland. Sie prüfen die Statik und die Dichtigkeit der Anschlüsse fachgerecht. Willst du die Kontrolle dennoch selbst starten, beginne immer vom sicheren Boden aus oder nutze ein Dachfenster für den ersten Schulterblick, bevor du dich in gefährliche Höhen begibst.
Der kritische Blick durch das Fernglas
Du musst nicht zwingend aufs Dach klettern, um die ersten Diagnosen zu stellen. Ein gutes Fernglas leistet hier hervorragende Dienste. Stelle dich an einem hellen Tag in den Garten und scanne die Dachfläche systematisch ab. Achte dabei auf Unregelmäßigkeiten in der Deckung. Sitzen alle Ziegel noch dort, wo sie hingehören? Nach Stürmen kommt es häufig vor, dass einzelne Pfannen leicht angehoben wurden und nun schief liegen. Das öffnet dem Regen Tür und Tor.
Besonderes Augenmerk verdient der First – also die oberste Kante des Daches. Die dortigen Ziegel sind dem Wind am stärksten ausgesetzt. Fehlt hier Mörtel oder sind Klammern gelöst, besteht akuter Handlungsbedarf. Auch abgeplatzte Ecken an den Ziegeln sind ein Warnsignal. Sie entstehen oft durch Frostsprengung: Wasser dringt in winzige Poren ein, gefriert, dehnt sich aus und sprengt das Material. Solche beschädigten Elemente müssen ausgetauscht werden, da sie beim nächsten Frost komplett zerbrechen könnten.
Wenn das Wasser nicht mehr abfließt
Die Dachentwässerung ist die Lebensversicherung für deine Fassade. Über den Winter sammeln sich in den Rinnen oft Laub, kleine Äste und der Abrieb der Dachpappe oder Ziegel an. Wenn das Schmelzwasser nicht ungehindert abfließen kann, sucht es sich andere Wege – im schlimmsten Fall hinter die Fassadenverkleidung oder in den Dachüberstand.
Reinige die Rinnen gründlich, aber vorsichtig. Prüfe dabei auch die Fallrohre. Ein einfacher Test hilft: Schütte einen Eimer Wasser in die Rinne und beobachte den Abfluss. Staut es sich oder läuft das Wasser nur zögerlich ab, sitzt die Verstopfung tiefer im Fallrohr oder im Standrohr am Boden. Achte bei der Reinigung auch auf die Rinnenhalter. Schwere Schneelasten biegen diese Metallbügel gerne nach unten. Hängt die Rinne schief, stimmt das Gefälle nicht mehr, und Wasser bleibt stehen. Das fördert Korrosion bei Zinkrinnen oder führt bei Frost zu neuen Schäden. Ein Nachjustieren der Halter ist meist mit wenig Aufwand möglich, verhindert aber effektiv Dauerschäden.
Der Check von innen: Spurensuche auf dem Speicher
Nicht jeder Schaden zeigt sich außen. Der Gang auf den Dachboden oder in den Spitzboden gehört zwingend zum Frühjahrs-Check dazu. Nimm eine starke Taschenlampe mit und leuchte in alle Ecken, besonders dort, wo der Kamin durch das Dach geführt wird oder wo Dachfenster eingebaut sind.
Riecht es modrig? Fühlt sich die Luft feuchter an als im Rest des Hauses? Das sind erste Indikatoren für Undichtigkeiten. Suche nach Wasserflecken auf dem Boden oder Verfärbungen an den Sparren und der Dämmung. Auch dunkle Stockflecken auf der Unterspannbahn – der Folie unter den Ziegeln – deuten darauf hin, dass Feuchtigkeit eingedrungen ist.
Vorsicht ist geboten, wenn du Dämmwolle offenliegen siehst. Fühlt sie sich klamm an oder ist sie zusammengesackt, hat sie ihre Isolierwirkung verloren. Nasse Dämmung dämmt nicht, sie leitet Wärme sogar schneller nach außen und bietet den idealen Nährboden für Schimmelpilze. Findest du solche Stellen, reicht es nicht, einfach einen Eimer drunterzustellen. Hier muss die Ursache an der Außenhaut gefunden werden.
Moos und Flechten: Mehr als nur ein optisches Problem
Viele Hausbesitzer stören sich an dem grünen Teppich auf ihrem Dach, weil er ungepflegt aussieht. Doch Moos und Flechten sind auch ein technisches Problem. Sie wirken wie ein Schwamm. Nach einem Regenschauer speichern sie die Feuchtigkeit über Tage hinweg direkt auf der Ziegeloberfläche. Das verhindert das schnelle Abtrocknen des Daches.
Die Folge: Die Ziegel werden porös und altern schneller. Wenn es nachts noch einmal friert – was im Frühjahr durchaus vorkommt –, gefriert das Wasser in den Moospolstern und kann die Ziegeloberfläche aufsprengen. Entferne grobe Moosbrocken vorsichtig. Verzichte dabei aber auf den aggressiven Einsatz eines Hochdruckreinigers. Der harte Wasserstrahl raut die Oberfläche der Ziegel auf, was dazu führt, dass sich neues Moos noch schneller festsetzt. Spezielle Reinigungsmittel oder Kupferbänder am First, die durch Regenwasser Kupferionen über das Dach verteilen, helfen, den Bewuchs langfristig einzudämmen.
Anschlüsse und Durchdringungen prüfen
Die Schwachstellen eines jeden Daches sind die Bereiche, wo die geschlossene Fläche unterbrochen wird. Dazu gehören Kamine, Lüftungsrohre, Dachfenster, Gauben und Antennenmasten. Die hier verwendeten Blecheinfassungen (Kappleisten) und Dichtungen leiden extrem unter den Temperaturwechseln zwischen Winter und Frühling. Metall dehnt sich aus und zieht sich zusammen, Silikonfugen werden spröde und reißen ab.
Kontrolliere die Fugen rund um den Kamin genau. Ist das Blei oder das Walzblei noch fest mit dem Ziegel verbunden oder steht es hoch? Klaffen Risse im Mörtelbett des Firsts? Bei Dachfenstern solltest du die Dichtungsgummis prüfen und mit einem Pflegestift behandeln, damit sie geschmeidig bleiben. Ein undichtes Fenster ist oft der Grund, warum Parkettböden oder Möbel im Dachgeschoss ruiniert werden.
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