Silikatfarbe haftet schlecht auf Dispersionsfarbe. Es besteht eine mangelnde Verkieselung und in der Folge eine schlechte Haftung. Wenn überhaupt, dann muss ein spezieller Tiefengrund vorliegen. Daher gilt es, die alte Dispersionsfarbe entweder vollständig zu entfernen oder eine Mischform zu verwenden, die eine bessere Haftung mit sich bringt.
Hält Dispersionsfarbe auf Silikatfarbe überhaupt?
Grundsätzlich empfiehlt es sich nicht, Silikatfarbe direkt auf Dispersionsfarbe aufzutragen, da die Farbe aufgrund der unterschiedlichen chemischen Zusammensetzung nicht oder nur schlecht haften bleibt. Denn es findet keine Verkieselung statt. Daher wird in den meisten Fällen eine komplette Reinigung vorgenommen und ein neuer Verputz aufgetragen. Kann jedoch die Dispersionsfarbe nicht gänzlich entfernt werden, besteht die Option, mit speziellen Silikatfarben zu arbeiten, die quasi eine Mischung zwischen den beiden so verschiedenartigen Farben bilden und häufig Kunstharz enthalten. Am häufigsten kommen Dispersionssilikatfarbe und Sol-Silikatfarbe zum Einsatz.

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Funktionierende Lösungen für den Anstrich
Dispersionssilikatfarbe als Kombinationsfarbe enthält weniger mineralische Bindemittel. Deshalb kann sie auch als Dispersionsanstrich verwendet werden. Dazu bedarf es aber eines geeigneten Haftgrundes. Am besten hält die Silikatfarbe, wenn man die Dispersionsfarbe zuvor vollständig entfernt. Denn nur so erreicht man einen reinen, mineralischen Untergrund. Steht die Diffusionsoffenheit nicht im Fokus der neu gestrichenen Wand, kann es besser sein, eine alternative Diffusionsfarbe aufzutragen. Zumeist handelt es sich ohnehin um eine Dispersionssilikatfarbe, weil reine Silikatfarbe schwierig zu verarbeiten ist.
Wie unterscheiden sich die beiden Farben voneinander?
Die chemischen Eigenschaften von Dispersionsfarbe und Silikatfarbe unterscheiden sich grundlegend voneinander. Dispersionsfarbe ist sehr weitverbreitet und kommt beispielsweise als Innenwandfarbe zum Einsatz. Wasser und organische Bindemittel machen die wesentlichen Bestandteile einer Dispersionsfarbe aus. Hinzu kommen Konservierungsmittel. Sie haftet auf vielen verschiedenen Untergründen und erweist sich als vergleichsweise widerstandsfähig. Außerdem trocknet sie schnell aus. Durch die relativ geschlossene Oberfläche nach dem Austrocknen zeigt sich das Material kaum diffusionsoffen. Das macht viele Räume anfälliger für Schimmelbildung.
In der Mischform als Dispersionssilikatfarbe fällt der Anteil an organischen Bindemitteln geringer aus. Dagegen steigt der mineralische Anteil. Wasserdampf, also Feuchtigkeit, kann so durch die Wand dringen und nach außen transportiert werden. Folglich bildet sich weniger Schimmel.
Silikatfarben enthalten hingegen ein mineralisches Bindemittel wie Zement oder Kalk, meist aber findet Kaliwasserglas Verwendung. Durch eine chemische Reaktion kommt es zu einer Verkieselung, sodass sich die Farben dauerhaft mit dem Untergrund verbinden. Die betreffende Wand bleibt danach diffusionsoffen, was sich positiv auf das Raumklima und die Feuchtigkeitsregulation auswirkt. Auf bereits gestrichenen Wänden haftet Silikatfarbe allerdings schlecht.

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Warum hält Silikatfarbe nicht auf Dispersionsfarbe?
Silikatfarbe reagiert chemisch mit mineralischen Oberflächen, wodurch eine starke Verbindung entsteht. Die glatte Oberfläche der Dispersionsfarbe bietet dafür denkbar schlechte Voraussetzungen, sodass die chemische Reaktion ausbleibt. Wenn, dann haftet die Silikatfarbe nur lose auf dem Dispersionsputz und platzt schon bald ab. Je mehr Anstriche bereits in der Vergangenheit erfolgten, desto eher zahlt es sich aus, eine weitere Dispersionsschicht auf die betreffende Wand aufzutragen. Nicht zuletzt sind Dispersionsfarben in nahezu allen Farbtönen im Fachhandel erhältlich.
Dispersionsfarbe oder Silikatfarbe bei der Wohnungssanierung?
Insgesamt hat Dispersionsfarbe viele Vorteile, vor allem aufgrund der bereits erwähnten hohen Widerstandsfähigkeit. Kleinere Verschmutzungen lassen sich problemlos wieder entfernen. Der Kunststofffilm, der nach dem Austrocknen der Dispersionsfarbe entsteht, führt jedoch zu einem Nachteil, nämlich einer verminderten Diffusionsfähigkeit. Angesichts dessen greifen immer mehr Personen bei einer Wohnungssanierung zu Silikatfarben, die einen sehr geringen Kunststoffanteil besitzen und daher wesentlich atmungsaktiver und diffusionsoffener sind.
Mit dem hohen Anteil an mineralischen Bestandteilen gehen einige positive Eigenschaften einher, wie die genannte Diffusionsfähigkeit, aber auch eine hohe Alkalität. Denn diese basischen Stoffe zeigen sich sehr resistent gegenüber Schimmelbildung. Schimmelpilze finden auf alkalischen Oberflächen schwierige Lebensbedingungen. Gerade deshalb ist Silikatfarbe in schimmelanfälligen Bereichen wie Keller, Küche und Bad besonders gefragt. Weiterhin eignet sich Silikatfarbe gut für mineralische Untergründe wie Mauerwerk, Beton oder Faserzementplatten.
Nachteilig wirkt sich lediglich aus, dass Silikatfarbe manchmal keine vollkommen glatte Oberfläche hinterlässt. Durch eine solide Grundierung lässt sich dieser Schönheitsfehler jedoch ausgleichen.
Von welchen Faktoren hängt die Wahl der passenden Farbe ab?
Die Wahl der passenden Farbe bei der Wohnungssanierung hängt von mehreren Faktoren ab, denn jede Immobilie ist anders aufgebaut. Maßgeblich sind der Aufbau des Untergrunds, die technisch optimal umsetzbare Lösung sowie ästhetische Überlegungen, also welche Oberfläche optisch oder funktional am besten zum eigenen Wohnstil passt. Schließlich spielt der Untergrund die zentrale Rolle. Preislich kommt man mit Dispersionsfarbe günstiger weg; Silikatfarbe ist deutlich teurer und schwieriger zu verarbeiten.
Fazit
Wer alte Wände oder Tapeten (mehrfach) überstreichen möchte, sollte unbedingt zur Dispersionsfarbe greifen. Dasselbe trifft auf außergewöhnliche Farbwünsche zu. Sollen dagegen poröse Untergründe neu gestrichen und die natürlichen Komponenten betont werden, greift man besser zur Dispersionssilikatfarbe oder wählt reine Silikatfarbe. Letztere sind allerdings nur in gedeckten Farbtönen erhältlich.