Gemeinsames Manko vieler Hausgärten ist, dass die einzelnen Bereiche, Terrasse, Beetflächen, Einfahrt, Rasen, wie aneinandergeklebt nebeneinanderstehen, ohne dass auch nur im Ansatz eine Struktur entsteht.
Auch wenn die Bepflanzung dann noch so sorgfältig ist, wirkt das Ganze unruhig. Wer diese Flächen gliedern will, denkt zunächst an Zäune und Mauern, wo doch in vielen Fällen Hecken die sinnvollere Lösung sind. Sie verbinden die Vorteile eines Sichtschutzes mit Raumgefühl, verbessern das Mikroklima und können bei sich verändernden Nutzungsanforderungen auch adaptiert werden.
Zonierung als erster Schritt: Wie Gartenräume funktionieren
Zonierung, das heißt die Überlegung, wie Gartenräume funktionieren, ist der erste Schritt. Bevor Pflanzungen geplant werden, sollte man sich überlegen, welche Bereiche des Gartens man wie nutzen will. Landschaftsarchitekten unterscheiden klassisch zwischen Kommunikationszonen (Terrassen, Wege), Rückzugszonen (versteckte Sitzbereiche, Spielflächen) und Wirtschaftsbereichen (Kompost, Geräteschuppen, Mülltonnen). Jede dieser Zonen stellt andere Ansprüche an Sichtschutz und Durchgängigkeit.
Die Forschungsgemeinschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) empfiehlt in ihren Richtlinien für Freiflächenplanung, Sichtachsen und Wegeführungen vor der Pflanzplanung festzulegen. Nur so lässt sich dann beurteilen, wo ein Hecke als geschlossene Sichtbarriere notwendig ist und wo ein lockerer, halbhoher Gehölzstreifen ausreicht.
Die richtige Auswahl der Pflanzen bestimmt die Wirkung
Auf Heckenpflanzen sind immergrüne oder laubabwerfende Arten zu beziehen. Die Wirkung der Hecke ganzjährig sicherzustellen, ist wichtig. Immergrüne Pflanzen wie z. B. Thuja occidentalis (Lebensbaum), Taxus baccata (Eibe), Prunus laurocerasus (Kirschlorbeer) bieten auch im Winter gebotenen Sichtschutz. Sie sind für die Begrenzung zur Einfahrt oder Nachbargrundstücken gut geeignet. Wichtig ist, dass die Eibe einen tiefen Rückschnitt bis ins alte Holz verträgt, was man von Thuja nicht sagen kann.
Für die Abgrenzung zwischen Terrasse und Garten werden oft laubabwerfende Gehölze wie z. B.
Carpinus betulus (Hainbuche), Fagus sylvatica (Rotbuche) empfohlen. Beide tragen im Winter ihr Trockenlaub und geben so seitens des Gartens einen gewissen Sichtschutz. Im Frühjahr kommt das frische Grün der neuen Blätter und zeigt so die jahreszeitliche Veränderung des Gartens sehr schön an, ein gestalterischer Vorteil für laubabwerfende Strukturen gegenüber rein immergrünen.
Ein sehr wichtiges Kriterium bei der Auswahl ist die Bodenreaktion. Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) wächst auf leicht sauren bis neutralen Böden (pH 5,5 bis 7,0), die Eibe (Taxus baccata) verträgt sich auch mit kalkhaltigen. Eine Bodenanalyse vor der Pflanzung (staatliche Untersuchungsämter oder zertifizierte Labore bieten diesen Service an) erspart teure Fehlentscheidungen.
Terrasse – Beet: Die heimliche Grenze
Die unscheinbare Grenzfläche zwischen Terrasse und Pflanzfläche wird oft unterschätzt. Zu viele Abgrenzungen drücken die kleinen Gärten zusammen, zu wenig bringt alles durcheinander. Eine niedrige Formhecke, 40 bis 60 Zentimeter hoch, trennt den Raum, ohne ihn gleich zu schneiden. Jahrzehntelang war hier Buxus sempervirens (Buchsbaum) die Standardpflanze. Durch den flächendeckenden Befall mit dem Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) ist er als Pflanzung kaum noch empfehlenswert.
Robuste Alternativen sind Ilex crenata (japanische Stechpalme) oder Berberis thunbergii (Berberitze), beide schnittverträglich und kompakt wachsend. Am Fuß der Hecke können wir den Übergang zum Beet durch Staudenpflanzung gestalten. Alchemilla mollis und Geranium x cantabrigiense schließen die Fläche bodennah ab, machen mit ihrer Bodendeckerwirkung die Pflege leichter und überbrücken den optischen Sprung zwischen Holz, Pflaster und Pflanzung.
Hecken an der Einfahrt: Gestaltung mit Sicherheitspflicht
Für Einfahrtsbereiche bestehen besondere Bestimmungen. Nach § 1 der Straßenverkehrsordnung haben sich alle Verkehrsteilnehmer gegenseitig zu beachten. Das heißt konkret, dass Bepflanzungen die Sicht auf den fließenden Verkehr nicht behindern dürfen. Kommunale Bebauungspläne regeln oft zusätzlich die Höhe der Eingrünungen im Bereich von Grundstücksausfahrten. Bei Zweifel ist eine Rückfrage beim Bauordnungsamt nicht verkehrt.
Für den Einfahrtsbereich geeignete Arten sind Lonicera nitida (Heckenkirsche) und Rosa rugosa (Kartoffelrose). Die erste wächst sehr gedrungen und kann auf unter einem Meter Höhe gehalten werden. Die Kartoffelrose ist durch ihr Bestachelungssystem gleichzeitig eine wirksame Einbruchshindernis und als heimische Wildrose ökologisch wertvoll. Das Bundesamt für Naturschutz führt jedoch auch diese Art als mögliche Neophytenart in den Küstengebieten und sie ist daher in der Nähe von Naturschutzgebieten von Pflanzungen fernzuhalten.
Die Pflanzabstände richten sich nach der Wuchsstärke und der gewünschten Dichte. Bei schnellwüchsigen Arten beträgt der Abstand 50 bis 80 cm, bei langsamwüchsigen wie der Eibe 30 bis 40 cm. Eine zu enge Pflanzung erspart zwar Zeit bis zur Wirkung, bringt aber doch auf lange Sicht Konkurrenz und erhöht die Pflege durch Auslichtungsschnitte. Wer seinen Garten ordentlich beplant sehen möchte, sollte die Heckenplanung nicht als einen Punkt unter vielen, sondern als das tragende Gerüst sehen, das alles andere zusammenhält.