Romanik-Türen: Die Bedeutung der Bilder

von HausBlogRedaktion
romanik türen

Die Romanik zählt zu den faszinierendsten Epochen der europäischen Kunst- und Architekturgeschichte. Besonders eindrucksvoll zeigen sich ihre Merkmale an den Portalen romanischer Kirchen, deren Türen oft reich mit Skulpturen und Reliefs geschmückt sind.

Diese sogenannten „Romanik-Türen“ sind weit mehr als nur Eingänge – sie erzählen Geschichten, vermitteln Glaubensinhalte und spiegeln das Weltbild des Mittelalters wider. Doch welche Bedeutung haben die Bilder auf romanischen Türen, und wie lassen sich die Darstellungen deuten?

Die Romanik: Eine Epoche des Glaubens und der Symbolik

Die Romanik, die etwa vom 10. bis zum 13. Jahrhundert dauerte, war geprägt von einem tiefen christlichen Glauben. Kirchen und Klöster wurden zu Zentren des geistlichen und gesellschaftlichen Lebens. Architektur und Kunst dienten nicht nur der Verschönerung, sondern hatten vor allem eine didaktische Funktion: Sie sollten den Gläubigen biblische Geschichten und Glaubensinhalte vermitteln – in einer Zeit, in der viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten.

alte kirche

Laurent CHEVALLIER/shutterstock.com

Die Tür als Schwelle: Symbolik und Funktion

In der romanischen Baukunst kommt der Tür, genauer gesagt dem Portal, eine besondere Bedeutung zu. Sie markiert die Schwelle zwischen der „profanen“ Außenwelt und dem „heiligen“ Innenraum der Kirche. Das Durchschreiten des Portals stand sinnbildlich für den Übergang vom weltlichen zum göttlichen Bereich, von Unwissenheit zu Erkenntnis, von Sünde zu Erlösung.

Deshalb wurden die Portale oft besonders aufwendig gestaltet. Die Darstellungen auf und um die Türen sollten die Gläubigen auf das vorbereiten, was sie im Inneren der Kirche erwartete: die Begegnung mit Gott.

Bilder auf Romanik-Türen: Themen und Motive

Die Bilder auf romanischen Türen und Portalen sind vielfältig, doch einige Themen finden sich besonders häufig:

1. Das Jüngste Gericht:
Ein zentrales Motiv an romanischen Kirchenportalen ist das Weltgericht, bei dem Christus als Richter die Seelen der Menschen richtet. Diese Darstellungen finden sich meist im Tympanon, dem halbkreisförmigen Feld über der Tür. Christus thront in der Mitte, flankiert von Engeln, Aposteln und oft von Szenen, in denen die Seligen in den Himmel und die Verdammten in die Hölle geführt werden. Die Gläubigen wurden so an die Konsequenzen ihres Handelns erinnert.

2. Szenen aus dem Alten und Neuen Testament:
Viele Portale zeigen biblische Geschichten, etwa die Schöpfung, den Sündenfall, die Geburt Christi oder das Leben der Heiligen. Diese Bilder dienten als „Bilderbibel“ und machten die zentralen Inhalte des Glaubens für alle verständlich.

3. Symbolische Tiere und Fabelwesen:
Neben Menschen finden sich auch zahlreiche Tiere – Löwen, Drachen, Lämmer oder Greifen. Sie hatten meist eine symbolische Bedeutung: Der Löwe steht für Christus, das Lamm für Unschuld und Opfer, der Drache für das Böse. Solche Darstellungen sollten den Gläubigen Tugenden und Laster bildlich vor Augen führen.

4. Ornamente und Pflanzenmotive:
Nicht immer erzählen die Bilder eine konkrete Geschichte. Oft finden sich auch Ranken, Blätter, Palmetten oder geometrische Muster, die den Übergang ins Heilige betonen und an das Paradies erinnern sollten.

alte romanische tür

Agorca/shutterstock.com

Die Technik: Reliefs und Bronzetüren

Die meisten romanischen Portale waren mit Steinreliefs geschmückt, die direkt in den Türbogen oder das Tympanon gemeißelt wurden. Besonders prachtvoll sind die Bronzetüren der Romanik, etwa die berühmten Türen des Doms zu Hildesheim (Bernwardstür) oder des Doms zu Augsburg. Sie zeigen in mehreren Bildfeldern Szenen aus der Bibel, kunstvoll in Metall gegossen.

Diese Türen waren nicht nur technisch beeindruckend, sondern auch inhaltlich bedeutsam: Jedes Bildfeld war sorgfältig ausgewählt und in eine theologische Gesamtordnung eingebettet.

Die Botschaft an die Gläubigen

Die Darstellungen auf romanischen Türen waren nie zufällig gewählt. Sie sollten die Besucher belehren, mahnen und trösten. Vor allem das Gerichtsmotiv diente als Erinnerung an die Verantwortung jedes Einzelnen für sein Handeln. Andere Szenen, wie die Geburt Christi oder das Leben der Heiligen, sollten Hoffnung und Vorbilder vermitteln. Die Portale waren damit „Lehrbücher aus Stein und Bronze“ – offen für alle, unabhängig von Bildung und Herkunft.

Beispiele berühmter Romanik-Türen

  • Bernwardstür, Hildesheim: Diese Bronzetür aus dem Jahr 1015 zeigt in 16 Bildfeldern Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, von der Erschaffung Adams bis zur Auferstehung Christi. Die Gegenüberstellung der Szenen verdeutlicht die Verbindung von Sünde und Erlösung.
  • Dom zu Augsburg: Die Bronzetüren aus dem 11. Jahrhundert zeigen Propheten, Apostel und Szenen aus dem Leben Jesu. Besonders auffällig sind die ausdrucksstarken Figuren und die klare Gliederung.
  • Saint-Trophime, Arles: Das Portal dieser französischen Kirche ist reich mit Figuren und Ornamenten geschmückt. Im Tympanon thront Christus als Weltenrichter, umgeben von Engeln und Heiligen.

Fazit

Die Bilder auf romanischen Türen sind mehr als dekorative Elemente – sie sind Ausdruck eines Weltbildes, das von Glauben, Hoffnung und Furcht vor dem Jüngsten Gericht geprägt war. Sie erzählen Geschichten, vermitteln Werte und laden zur Reflexion ein. Wer heute eine romanische Kirche betritt, durchschreitet nicht nur eine Tür, sondern eine Schwelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Kunst und Spiritualität. Beim nächsten Besuch einer romanischen Kirche lohnt sich ein genauer Blick auf das Portal – die Bilder erzählen oft mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

Das könnte dir ebenfalls gefallen

@2024 – All Rights Reserved.